ETF-News 2026: Die wichtigsten Trends und neuen ETFs

ETF-News 2026: Die wichtigsten Trends und neuen ETFs

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2026 ist bislang ein bemerkenswertes Jahr für ETFs. Die Nachfrage nach börsen­gehandelten Indexfonds bleibt hoch, gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb um die niedrigsten Kosten. Neue ETFs schließen bisherige Lücken im Angebot, alternative Gewichtungsmethoden werden einfacher zugänglich und das ETF-Universum wird zunehmend vielfältiger.

Allein im Juni 2026 flossen 36,9 Milliarden Euro in europäische ETFs. Das verwaltete ETF-Vermögen in Europa erreichte damit 3,23 Billionen Euro. Morningstar bezeichnete die Zuflüsse im ersten Halbjahr als Rekord. [Quelle: Morningstar]

Gleichzeitig verändert sich die Produktlandschaft. Neben klassischen, passiv verwalteten Welt-ETFs gewinnen aktive ETFs an Bedeutung. Dazu kommen Faktorstrategien, IMI-ETFs mit einer breiteren Abdeckung des investierbaren Aktienmarktes, BIP-gewichtete Weltportfolios und zunehmend auch gehebelte Produkte.

Für Privatanleger ist deshalb nicht jede ETF-Neuheit gleichermaßen relevant. Dieser Überblick konzentriert sich auf die Entwicklungen, die aus meiner Sicht tatsächlich etwas an den Möglichkeiten für langfristig orientierte Anleger verändern.

Stand: 10. August 2026. Kosten, Fondsvolumen und Produktangebot können sich nach Veröffentlichung dieses Artikels ändern.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Preiskampf bei Welt-ETFs geht weiter: Vanguard senkte die Kosten des FTSE All-World Ende Juli von 0,19 auf 0,14 Prozent. Xtrackers liegt beim neuen FTSE All-World inzwischen sogar bei 0,07 Prozent.
  • Der MSCI World bekommt eine IMI-Variante: Der neue Xtrackers MSCI World IMI ermöglicht erstmals einen einfachen UCITS-ETF-Zugang zum MSCI World inklusive Small Caps.
  • BIP statt Marktkapitalisierung wird zur echten ETF-Alternative: Amundi hat 2026 den ersten UCITS-ETF aufgelegt, der den FTSE All-World nach BIP gewichtet.
  • Aktive ETFs wachsen rasant: Das europäische Volumen aktiver ETFs erreichte Ende Juni 2026 bereits 108,3 Milliarden Euro – fast das Dreifache des Niveaus von Ende 2023.
  • Auch Hebelprodukte werden globaler: Ein neuer Xtrackers-ETF ermöglicht gehebeltes Exposure auf den MSCI ACWI inklusive Schwellenländern. Der angestrebte Hebel liegt grundsätzlich zwischen 1,5 und 2,0.

1. Der Preiskampf bei Welt-ETFs verschärft sich

Für langfristige ETF-Anleger ist der zunehmende Wettbewerb um niedrige Kosten wahrscheinlich die erfreulichste Entwicklung des Jahres.

Besonders prominent ist die erneute Kostensenkung beim Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (ISIN: IE00BK5BQT80). Die laufenden Kosten (Gesamtkostenquote bzw. TER) wurden zum 28. Juli 2026 von 0,19 auf 0,14 Prozent gesenkt, nachdem sie zuvor am 7. Oktober 2025 bereits von 0,22 Prozent p. a. gesenkt wurden. [Quelle: Vanguard]

Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die bei großen Standard-ETFs schon seit Jahren zu beobachten ist: Anbieter versuchen, über Skaleneffekte und sinkende Kosten neue Anleger zu gewinnen.

Noch aggressiver ist der neue Xtrackers FTSE All-World UCITS ETF (ISIN: IE000L6ZMMC4). Er wurde am 8. April 2026 aufgelegt und startete mit einer TER von 0,12 Prozent. Bereits zum 1. Juni senkte DWS diese auf 0,07 Prozent pro Jahr. [Quelle: Xtrackers / DWS]

Damit liegt der Fonds bei der reinen Fondskostenquote derzeit auf einem ausgesprochen niedrigen Niveau.

Auch andere große Anbieter beteiligen sich am Preiskampf:

  • Vanguard senkte Anfang Februar 2026 die Kosten bei 84 Fondsanteilsklassen aus 53 Fonds. [Quelle: Vanguard] Nach Angaben des Unternehmens liegen nun 83 Prozent der Vanguard-Aktien-ETFs im günstigsten Kosten-Dezil ihrer jeweiligen Vergleichsgruppe. Die Vergleichsgruppen und Berechnung stammen dabei von Vanguard auf Basis von Morningstar-Daten. [Quelle: Vanguard]
  • State Street reduzierte zum 1. Januar 2026 die TER bei 11 UCITS-ETF-Anteilsklassen. So wurden auch die laufenden Kosten des SPDR MSCI Europe UCITS ETF (ISIN: IE00BKWQ0Q14) von 0,25 auf 0,08 Prozent p. a. und des SPDR MSCI EMU UCITS ETF (ISIN: IE00B910VR50) von 0,18 auf 0,08 Prozent p. a. Gerade die Kostensenkungen dieser beiden Aktien-ETFs könnten für viele Anleger interessant sein. Die zunehmende Konzentration von US-Aktien in den großen Weltindizes führt bei manchen Anlegern dazu, den Europa-Anteil ihres Portfolios bewusst zu erhöhen, um die starke US-Gewichtung zu reduzieren. Die deutlichen Kostensenkungen bei State Street sind zugleich ein gutes Beispiel dafür, wie intensiv der Wettbewerb im ETF-Markt inzwischen über die Kosten ausgetragen wird. [Quelle: State Street / SPDR]
  • UBS senkte im Mai 2026 die Gebühren bei fünf ETFs. Unter anderem fiel die TER des UBS Core MSCI USA UCITS ETF (ISIN: IE00BD4TXS21) von 0,06 auf 0,03 Prozent und jene des UBS MSCI World ex USA UCITS ETF (ISIN: LU2807512947) von 0,14 auf 0,09 Prozent. [Quelle: UBS]

Die Beispiele zeigen: Bei großen und stark umkämpften Aktien-ETFs sind Kostensenkungen von einigen Basispunkten inzwischen keine Seltenheit mehr. Für langfristige Anleger ist das grundsätzlich positiv – allerdings sollte die TER nie das einzige Auswahlkriterium sein. Tracking Difference, Fondsgröße, Auflagedatum, Liquidität, Replikationsmethode und steuerliche Aspekte können ebenfalls relevant sein.

2. Der MSCI World ist jetzt auch inklusive Small Caps erhältlich

Eine der interessantesten ETF-Neuheiten 2026 ist der Xtrackers MSCI World IMI UCITS ETF 1C (ISIN: IE000X1GW0A7). Der Fonds wurde am 8. April 2026 aufgelegt und weist eine TER von 0,15 Prozent pro Jahr auf.

Das Besondere steckt in der Abkürzung IMI. Sie steht für „Investable Market Index“. Der klassische MSCI World umfasst Large- und Mid-Cap-Aktien aus Industrieländern. Der MSCI World IMI berücksichtigt zusätzlich Small Caps.

Der Index umfasst aktuell 5.159 Unternehmen aus 23 Industrieländern und deckt damit rund 99 Prozent der free-float-adjustierten Marktkapitalisierung ab. Der Xtrackers-ETF bildet den Index mittels optimiertem Sampling ab und hält deshalb selbst aktuell rund 1.600 Positionen. [Quellen: MSCI / justetf]

Das ist eine bemerkenswerte Erweiterung des klassischen MSCI-World-Konzepts.

Warum ist das für Anleger interessant?

Wer bisher beispielsweise einen MSCI World mit einem separaten World-Small-Cap-ETF kombinieren wollte, kann nun einen breiteren Industrieländer-Ansatz in einem einzigen ETF umsetzen. Der Vorteil liegt vor allem in der Einfachheit: Das gewünschte Aktienuniversum lässt sich mit einem einzigen Fonds abdecken, ohne zwei ETFs aufeinander abstimmen zu müssen.

Allerdings sollte man die zusätzliche Marktabdeckung auch nicht überschätzen. Small Caps machen zwar einen erheblichen Teil des Aktienuniversums aus, haben aber gemessen an der gesamten Marktkapitalisierung ein deutlich geringeres Gewicht als Large- und Mid-Caps. Der MSCI World IMI ist daher kein völlig anderes Portfolio, sondern eine breitere Variante des klassischen MSCI World.

MSCI World, World IMI, ACWI und ACWI IMI

Die verschiedenen Bezeichnungen führen häufig zu Verwirrung:

Index Industrieländer Schwellenländer Small Caps
MSCI World  ✓  –  –
MSCI World IMI  ✓  –  ✓
MSCI ACWI  ✓  ✓  –
MSCI ACWI IMI  ✓  ✓  ✓

Der neue Xtrackers MSCI World IMI ist daher noch kein vollständiger Welt-ETF inklusive Schwellenländern.

Für Anleger, die Industrie- und Schwellenländer inklusive Small Caps mit einem einzigen Produkt abdecken möchten, ist der MSCI ACWI IMI das umfassendere Indexkonzept.

Interessant: Eine bemerkenswerte Lücke im ETF-Markt

Der MSCI World IMI existiert als Index schon seit vielen Jahren. Für den MSCI Emerging Markets IMI gibt es schon seit einiger Zeit bereits entsprechende ETF-Produkte. Ein entsprechender, einfach zugänglicher UCITS-ETF auf den MSCI World IMI war dagegen bislang nicht etabliert. Der neue Xtrackers-ETF schließt diese Lücke nun.

3. BIP statt Marktkapitalisierung: Der neue Welt-ETF von Amundi

Noch stärker weicht eine weitere Neuheit vom klassischen ETF-Mainstream ab: Der Amundi FTSE All World GDP-Weighted UCITS ETF (ISIN: IE000KCKFHE8). Amundi kündigte den ETF Ende Mai 2026 als Teil einer neuen Produktfamilie an und bezeichnet ihn als den ersten UCITS-ETF, der den jeweiligen FTSE-Index nach BIP gewichtet. (Quelle: Amundi) Der ETF wurde am 19. Mai 2026 aufgelegt und weist eine TER von 0,30 Prozent p. a. auf.

Das Besondere: Die Länder werden nicht entsprechend ihrer Börsenkapitalisierung gewichtet, sondern anhand ihres Anteils am weltweiten Bruttoinlandsprodukt (BIP). Damit verfolgt der ETF eine völlig andere Vorstellung davon, wie ein neutrales Weltportfolio aussehen sollte.

Marktkapitalisierung oder Wirtschaftsleistung?

Bei einem klassischen Welt-ETF bestimmt letztlich der Börsenwert der Unternehmen das Ländergewicht. Das führt aktuell zu einer hohen Gewichtung der USA, weil US-Unternehmen einen sehr großen Anteil an der weltweiten Börsenkapitalisierung ausmachen.

Eine BIP-Gewichtung setzt dagegen an der Wirtschaftsleistung an. Volkswirtschaften, deren Anteil am weltweiten BIP größer ist als ihr Anteil an der globalen Börsenkapitalisierung, erhalten dadurch mehr Gewicht. Amundi beschreibt den Ansatz ausdrücklich als Möglichkeit, die Abhängigkeit von einzelnen großen Märkten und Unternehmen zu reduzieren und insbesondere Europa und Schwellenländer stärker zu berücksichtigen.

Ist BIP-Gewichtung deshalb besser?

Nein. Zumindest lässt sich das nicht seriös behaupten. BIP-Gewichtung ist zunächst einmal eine andere Portfolioentscheidung.

Wer nach BIP gewichtet, weicht bewusst vom globalen Marktportfolio ab. Das kann attraktiv sein, wenn man die hohe Gewichtung einzelner Länder oder Märkte im kapitalisierungsgewichteten Ansatz vermeiden möchte. Es bedeutet aber nicht automatisch weniger Risiko, höhere Rendite oder besseren Schutz vor einer möglichen Korrektur von US-Technologieaktien.

Gerade der letzte Punkt ist wichtig. Wer einen BIP-ETF kauft, weil er einen möglichen KI-Crash fürchtet, betreibt letztlich eine Form des taktischen Investierens. Wer dagegen grundsätzlich davon überzeugt ist, dass ein Weltportfolio nicht nach Börsenwert, sondern stärker nach Wirtschaftsleistung gewichtet werden sollte, verfolgt eine strategische Entscheidung.

Das Thema ist übrigens auch auf Finanzbiber nicht neu. Bereits 2022 habe ich das Konzept ausführlicher vorgestellt: Weltportfolio mit BIP-Gewichtung. Die damaligen Zahlen sind inzwischen überholt und werden demnächst aktualisiert. Das Grundprinzip der BIP-Gewichtung bleibt aber relevant.

Der neue Amundi-ETF macht diesen Ansatz nun wesentlich einfacher: Anleger können die gewünschte Gewichtungsmethode mit einem einzigen ETF umsetzen.

4. Gerd Kommer verbindet BIP-Gewichtung mit Factor Investing

Eine weitere – zwar nicht mehr ganz neue, aber dennoch – interessante Alternative ist der L&G Gerd Kommer Multifactor Equity UCITS ETF (ISIN: IE0001UQQ933). Der ETF verfolgt allerdings keinen reinen BIP-Ansatz, sondern kombiniert eine alternative Ländergewichtung mit mehreren Aktienfaktoren.

Bei der Ländergewichtung fließen Marktkapitalisierung und BIP jeweils zur Hälfte ein. Gleichzeitig investiert der ETF über Industrie- und Schwellenländer hinweg in Large-, Mid- und Small-Caps und berücksichtigt die Faktoren Size, Value, Quality, Investment und Momentum. [Quelle: Gerd Kommer]

Damit unterscheidet sich der ETF in zweifacher Hinsicht von einem klassischen Welt-ETF: Die Länder werden weniger stark nach ihrer Börsenkapitalisierung gewichtet und die Aktienauswahl bzw. -gewichtung folgt zusätzlich einem Multifaktoransatz.

Wer sich mit den einzelnen Faktoren noch nicht näher beschäftigt hat, findet hier eine ausführliche Einführung: Factor Investing: Einführung und die wichtigsten Faktoren.

Ein Mittelweg zwischen Markt- und BIP-Gewichtung

Die unterschiedliche Ländergewichtung lässt sich vereinfacht so einordnen:

Ansatz Ländergewichtung
Klassischer Welt-ETF 100 % Marktkapitalisierung
Gerd Kommer Multifactor ETF 50 % Marktkapitalisierung + 50 % BIP
Amundi FTSE All World GDP-Weighted 100 % BIP

Der Gerd-Kommer-ETF ist deshalb nicht einfach ein abgeschwächter BIP-ETF. Die 50/50-Gewichtung ist nur ein Bestandteil der Strategie. Durch die zusätzlichen Faktorübergewichtungen und weiteren Indexregeln handelt es sich um eine eigenständige Multifaktorstrategie.

Für Anleger bedeutet das: Wer gezielt eine geringere Abhängigkeit von der klassischen Marktkapitalisierungsgewichtung sucht, aber nicht vollständig auf eine BIP-Gewichtung umsteigen möchte und zugleich einen Faktoransatz interessant findet, erhält mit dem ETF eine entsprechende Kombination verschiedener Ansätze.

5. Ex-USA-ETFs ermöglichen eine bewusste Steuerung der US-Gewichtung

Eine weitere Entwicklung passt in dasselbe Bild: Anleger können den US-Anteil ihres Weltportfolios immer gezielter steuern.

Xtrackers hat 2026 unter anderem den Xtrackers FTSE All-World ex US UCITS ETF (ISIN: IE000YKHGYN2) aufgelegt. Die TER liegt bei 0,15 Prozent. Der ETF bildet den globalen Aktienmarkt ohne die USA ab.

Interessant ist das Produkt deshalb vor allem als Baustein für ein individuell gewichtetes Weltportfolio. So lässt sich beispielsweise ein ex-USA-ETF mit einem separaten USA-ETF kombinieren. Je nach gewünschter Gewichtung können Anleger damit das Verhältnis zwischen US- und Nicht-US-Aktien selbst festlegen.

Das ist ein anderer Ansatz als bei einem klassischen All-World-ETF: Dort werden die Länder entsprechend ihrer Marktkapitalisierung gewichtet. Bei einer Kombination aus ex-USA- und USA-ETF entscheidet dagegen der Anleger selbst, wie viel des Portfolios auf die beiden Regionen entfallen soll.

Wer beispielsweise eine geringere US-Gewichtung als im globalen Marktportfolio anstrebt, kann den Anteil des ex-USA-ETFs entsprechend erhöhen. Eine solche Untergewichtung der USA ist allerdings eine aktive Abweichung vom Marktportfolio und damit eine Anlageentscheidung. Sie kann sich langfristig als vorteilhaft oder nachteilig erweisen – aus der geringeren US-Gewichtung allein lässt sich kein Renditevorteil ableiten.

6. Aktive ETFs wachsen rasant

Eine der wichtigsten strukturellen Entwicklungen 2026 betrifft nicht einen bestimmten Index, sondern die ETF-Branche insgesamt: Aktive ETFs gewinnen deutlich an Bedeutung.

Das europäische Vermögen in aktiven ETFs erreichte Ende Juni 2026 108,3 Milliarden Euro. Damit hat sich das Segment seit Ende 2023 nahezu verdreifacht. Zwar machen aktive ETFs damit weiterhin nur einen kleinen Teil des gesamten europäischen ETF-Marktes aus, das Wachstum ist jedoch bemerkenswert. [Quelle: Morningstar]

Der Trend zeigt zugleich, dass „ETF“ und „passiv“ nicht gleichbedeutend sind. Ein ETF beschreibt zunächst die Fondsstruktur und die Möglichkeit, den Fonds börsentäglich zu handeln. Die Anlagestrategie kann dagegen passiv oder aktiv sein. Ein aktiver ETF kann beispielsweise ein Management einsetzen, Unternehmen gezielt über- oder untergewichten oder eine regelbasierte Strategie verfolgen, die nicht einfach einen klassischen Marktindex nachbildet.

Für Anleger ist deshalb ein genauer Blick auf das jeweilige Produkt wichtig. Ein ETF ist nicht automatisch passiv, günstig oder risikoarm. Gerade aktive ETFs können deutlich höhere laufende Kosten aufweisen als klassische, breit diversifizierte Index-ETFs.

Für den langfristigen Vermögensaufbau bleibt damit die entscheidende Frage, welche Anlagestrategie hinter dem ETF steckt und welche Kosten dafür anfallen. Die bloße ETF-Struktur sagt darüber wenig aus.

7. Der neue gehebelte Welt-ETF: Mehr Renditechance, aber auch deutlich mehr Risiko

Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt im Sommer 2026 ein völlig anderer ETF-Typ: der Scalable MSCI AC World Leveraged Daily Swap Xtrackers UCITS ETF (ISIN: LU3386643970). Der ETF wurde am 28. Juli 2026 aufgelegt, bezieht sich auf den globalen Aktienmarkt inklusive Schwellenländer und zielt auf einen täglichen Hebel zwischen 1,5 und 2,0. Die TER beträgt 0,45 Prozent.

Das ist ein bemerkenswertes Produkt, weil Anleger damit einen sehr breit aufgestellten globalen Aktienindex mit täglicher Hebelwirkung nutzen können. Genau deshalb ist allerdings besondere Vorsicht angebracht.

Ein 2x-ETF liefert nicht langfristig die doppelte Rendite

Der Hebel bezieht sich auf die tägliche Wertentwicklung. Steigt der zugrunde liegende Index an einem Tag um 1 Prozent, kann ein zweifach gehebeltes Produkt ungefähr 2 Prozent gewinnen. Fällt der Index um 1 Prozent, verliert es entsprechend ungefähr 2 Prozent.

Über längere Zeiträume lässt sich diese Rechnung jedoch nicht einfach fortsetzen. Der Grund ist die tägliche Neugewichtung des Hebels und die daraus entstehende Pfadabhängigkeit.

Ein einfaches Beispiel macht das deutlich: Der Index startet bei 100. Steigt er zunächst um 10 Prozent, liegt er bei 110. Fällt er anschließend wieder um 10 Prozent, sind aus den 110 nur noch 99 geworden. Obwohl sich die beiden Kursbewegungen prozentual gleich groß sind, liegt der Index am Ende also 1 Prozent im Minus.

Beim zweifach gehebelten Produkt würden dieselben Bewegungen vereinfacht zu einem Anstieg von 20 Prozent und anschließend zu einem Verlust von 20 Prozent führen: Aus 100 werden zunächst 120, danach 96. Das gehebelte Produkt liegt damit 4 Prozent im Minus.

Der entscheidende Punkt: Ein Verlust wiegt stärker, weil anschließend eine überproportional hohe Rendite notwendig ist, um wieder auf den Ausgangswert zu kommen. Wer beispielsweise 20 Prozent verliert, braucht anschließend nicht 20, sondern 25 Prozent Gewinn, um den ursprünglichen Wert wieder zu erreichen. Bei einem Verlust von 50 Prozent wären sogar 100 Prozent Gewinn erforderlich.

Diese Effekte können sich bei täglich gehebelten Produkten über längere Zeiträume erheblich auf das Ergebnis auswirken. Deshalb ist ein täglicher Hebel nicht einfach mit einer dauerhaft verdoppelten Rendite des zugrunde liegenden Index gleichzusetzen.

Breite Diversifikation macht einen Hebel-ETF nicht konservativ

Der neue ETF ist zwar global diversifiziert. Das bedeutet jedoch nicht, dass er einem risikoarmen Weltportfolio entspricht. Der Hebel verstärkt sowohl positive als auch negative tägliche Kursbewegungen.

Hinzu kommen die Auswirkungen der täglichen Neugewichtung sowie weitere Kosten und die konkrete Struktur des Swap-basierten Produkts. Die tatsächliche langfristige Wertentwicklung kann deshalb deutlich von der Vorstellung abweichen, man erhalte einfach das Zwei- oder Eineinhalbfache der langfristigen Indexrendite.

Für langfristig orientierte Anleger ist ein solcher ETF daher kein Ersatz für einen klassischen Welt-ETF. Die Formel „Welt-ETF plus Faktor zwei = doppelte langfristige Rendite“ ist schlicht falsch. Ein gehebelter ETF ist ein spezielles Instrument, dessen Funktionsweise und Risiken man verstanden haben sollte, bevor man es einsetzt.

8. Nachhaltige ETFs verlieren 2026 an Dynamik

Während aktive und gehebelte ETFs an Bedeutung gewinnen, zeigt sich bei nachhaltigen Fonds ein anderes Bild: Die Produktentwicklung hat sich deutlich abgekühlt.

Europa brachte im zweiten Quartal 2026 lediglich 13 neue nachhaltige Fonds auf den Markt – so wenige wie noch nie in der entsprechenden Morningstar-Zeitreihe. Gleichzeitig wurden 64 Fonds geschlossen. Damit kamen auf jeden neu aufgelegten Fonds fast fünf Schließungen.

Die Entwicklung ist dabei kein kurzfristiger Ausreißer. Seit den strengeren europäischen Regeln, die Anfang 2023 in Kraft traten, wurden laut Morningstar 956 nachhaltige Fonds geschlossen, während lediglich 691 neue Fonds aufgelegt wurden. Als Gründe nennt Morningstar unter anderem regulatorische Unsicherheit, Greenwashing-Vorwürfe, politische Veränderungen und die teilweise schwächere Wertentwicklung bestimmter nachhaltiger Strategien.

Das bedeutet allerdings nicht, dass nachhaltiges Investieren bedeutungslos geworden wäre. Das weltweite Vermögen nachhaltiger Fonds lag im zweiten Quartal 2026 weiterhin bei rund 3,73 Billionen US-Dollar. Gleichzeitig verzeichneten nachhaltige Fonds im Quartal wieder Nettozuflüsse von rund 3,7 Milliarden US-Dollar, wobei insbesondere passive Strategien und nachhaltige Anleihen gefragt waren. [Quelle: Reuters]

Die Entwicklung spricht daher eher für eine Abkühlung des Produktbooms und eine stärkere Selektion als für das Ende nachhaltiger ETFs.

9. Was bedeuten die ETF-Trends 2026 für Privatanleger?

Die Vielzahl neuer ETFs kann schnell den Eindruck erwecken, Anleger müssten ihr Depot ständig anpassen, um von den neuesten Entwicklungen zu profitieren. Das ist nicht der Fall.

Für langfristig orientierte Privatanleger hat sich die Situation vielmehr in einer wichtigen Hinsicht verbessert: Die Auswahl an ETFs ist größer geworden und ermöglicht es, ein global diversifiziertes Portfolio mit unterschiedlichen Anlagekonzepten und zu vergleichsweise niedrigen Kosten umzusetzen.

Wer möglichst nah am globalen Marktportfolio bleiben möchte, kann beispielsweise einen klassischen All-World- oder ACWI-ETF nutzen. Wer zusätzlich Small Caps der Industrieländer abdecken möchte, kann einen MSCI World IMI in Betracht ziehen. Anleger, die bewusst von der Marktkapitalisierungsgewichtung abweichen möchten, finden inzwischen auch BIP-gewichtete Welt-ETFs. Wer systematisch bestimmte Faktorprämien nutzen möchte, kann auf Multifaktor-ETFs zurückgreifen. Und wer den US-Anteil seines Portfolios gezielt steuern möchte, kann mit ex-USA- und USA-ETFs eigene regionale Gewichtungen umsetzen.

Mehr Auswahl bedeutet nicht automatisch ein besseres Portfolio

Das ist vermutlich die wichtigste Schlussfolgerung aus dem ETF-Jahr 2026: Die Verfügbarkeit eines ETFs ist kein Argument dafür, ihn auch zu kaufen.

Ein Anleger braucht nicht gleichzeitig einen MSCI World, einen FTSE All-World, einen S&P-500-ETF, einen ex-USA-ETF, einen Technologie-ETF, einen KI-ETF und zusätzlich einen Faktor-ETF, nur weil all diese Produkte verfügbar sind. Viele dieser ETFs überschneiden sich erheblich. Wer immer neue Bausteine ergänzt, kann dadurch die tatsächliche regionale, sektorale und faktorielle Zusammensetzung seines Depots zunehmend aus den Augen verlieren, ebenso das tatsächliche Risiko des Gesamtportfolios

Die entscheidende Frage sollte daher nicht lauten:

„Welcher ETF ist neu?“

Sondern:

„Welche Anlagestrategie möchte ich mit meinem Portfolio verfolgen – und welcher ETF setzt sie möglichst einfach, transparent und kostengünstig um?“

Fazit: ETFs werden günstiger – aber auch vielfältiger

Das ETF-Jahr 2026 zeigt mehrere Entwicklungen, die für Privatanleger tatsächlich relevant sind.

Erstens: Der Preiskampf verschärft sich. Vanguard hat die Kosten des FTSE All-World auf 0,14 Prozent reduziert. Xtrackers ist beim neuen FTSE All-World sogar bei 0,07 Prozent angekommen. Auch State Street und UBS haben ihre Gebühren gesenkt.

Zweitens: Das Angebot an breit diversifizierten Welt-ETFs wird besser. Der neue Xtrackers MSCI World IMI ermöglicht es, Large-, Mid- und Small-Caps der Industrieländer in einem einzigen ETF abzudecken.

Drittens: Anleger haben mehr Möglichkeiten, die Gewichtung der Welt bewusst zu verändern. Der neue Amundi FTSE All World GDP-Weighted setzt auf BIP statt Marktkapitalisierung. Der Gerd Kommer Multifactor ETF kombiniert wiederum beide Gewichtungsmethoden mit einem Multifaktoransatz.

Viertens: Die ETF-Struktur wird für immer mehr unterschiedliche Strategien genutzt. Aktive ETFs wachsen, während gleichzeitig immer mehr spezialisierte und gehebelte Produkte auf den Markt kommen.

Für Privatanleger ist deshalb eine Unterscheidung wichtiger denn je:

ETF ist kein Qualitätssiegel und schon gar keine Garantie für niedrige Kosten oder geringes Risiko.

Wer langfristig Vermögen aufbauen möchte, muss nicht jede neue ETF-Idee ausprobieren. Ein einfaches, breit diversifiziertes und kostengünstiges Portfolio kann weiterhin vollkommen ausreichend sein.

Die wahrscheinlich wichtigste ETF-News des Jahres 2026 ist deshalb nicht der spektakulärste Hebel-ETF und auch nicht die exotischste Strategie. Es ist die Tatsache, dass breite globale Anlagen immer günstiger und gleichzeitig immer flexibler verfügbar werden.

Die größere Auswahl ist eine Chance. Sie wird aber erst dann zum Vorteil, wenn Anleger verstehen, welche Anlageentscheidung tatsächlich hinter dem jeweiligen ETF steckt.

Die wichtigsten ETFs aus diesem Artikel im Überblick

Die folgende Übersicht fasst die im Artikel konkret genannten ETFs zusammen. Sie stellt keine Anlageempfehlung oder Rangliste dar, sondern soll die unterschiedlichen Produkte und Anlageansätze vergleichbar machen.

ETF ISIN Schwerpunkt/Besonderheit TER p. a. Auflage
Vanguard FTSE All-World UCITS ETF IE00BK5BQT80 Welt, Marktkapitalisierung 0,14 % 23. Juli 2019
Xtrackers FTSE All-World UCITS ETF IE000L6ZMMC4 Welt, Marktkapitalisierung 0,07 % 08. April 2026
SPDR MSCI Europe UCITS ETF IE00BKWQ0Q14 Europa, Marktkapitalisierung 0,08 % 05. Dezember 2014
SPDR MSCI EMU UCITS ETF IE00B910VR50 Eurozone, Marktkapitalisierung 0,08 % 25. Januar 2013
UBS Core MSCI USA UCITS ETF IE00BD4TXS21 USA, Marktkapitalisierung 0,03 % 16. September 2016
UBS MSCI World ex USA UCITS ETF LU2807512947 Industrieländer ohne USA 0,09 % 21. Februar 2025
Xtrackers MSCI World IMI UCITS ETF 1C IE000X1GW0A7 Industrieländer, Large/Mid/Small Caps 0,15 % 08. April 2026
Amundi FTSE All World GDP-Weighted UCITS ETF IE000KCKFHE8 Welt, BIP-Gewichtung 0,30 % 19. Mai 2026
L&G Gerd Kommer Multifactor Equity UCITS ETF IE0001UQQ933 Welt, 50 % Marktkapitalisierung +
50 % BIP, Multifaktor
0,45 % 14. Juni 2023
Xtrackers FTSE All-World ex US UCITS ETF IE000YKHGYN2 Welt ohne USA 0,15 % 8. April 2026
Scalable MSCI AC World Leveraged Daily Swap Xtrackers UCITS ETF LU3386643970 Welt inkl. Schwellenländer, täglicher Hebel 1,5 – 2,0x 0,45 % 28. Juli 2026

Hinweis: TER bzw. laufende Kosten können sich ändern. Bei den neu aufgelegten ETFs beziehen sich die Angaben auf den im Artikel genannten Stand vom 10. August 2026.

 Häufige Fragen zu den ETF-News 2026

Zu den bemerkenswertesten Neuheiten gehören der Xtrackers MSCI World IMI UCITS ETF und der Amundi FTSE All World GDP-Weighted UCITS ETF. Beide erweitern die Möglichkeiten für breit diversifizierte Weltportfolios, verfolgen dabei aber unterschiedliche Ansätze. Welche Variante sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen Anlagestrategie ab.

Ja. Mehrere große ETF-Anbieter haben 2026 Gebühren gesenkt. Besonders auffällig sind die Reduzierung der TER des Vanguard FTSE All-World auf 0,14 Prozent und des Xtrackers FTSE All-World auf 0,07 Prozent.

Der MSCI World umfasst Large- und Mid-Cap-Aktien aus Industrieländern. Der MSCI World IMI berücksichtigt zusätzlich Small Caps und deckt damit einen größeren Teil des investierbaren Aktienmarktes ab.

Bei einem BIP-gewichteten ETF werden die Länder entsprechend ihrer Wirtschaftsleistung gewichtet und nicht primär entsprechend der Marktkapitalisierung ihrer Aktienmärkte. Dadurch verändert sich die regionale Zusammensetzung gegenüber klassischen Weltindizes.

Ein aktiver ETF nutzt die ETF-Struktur, verfolgt aber eine aktiv gesteuerte Anlagestrategie. Im Gegensatz zu einem klassischen Index-ETF besteht das Ziel nicht zwingend darin, einen bestimmten Marktindex möglichst exakt nachzubilden.

Gehebelte ETFs sind deutlich riskanter als ungehebelte ETFs. Bei täglich gehebelten Produkten wird der Hebel regelmäßig neu hergestellt. Dadurch kann die langfristige Wertentwicklung erheblich von einer einfachen Verdoppelung der langfristigen Indexrendite abweichen. Ein solcher ETF sollte deshalb nicht mit einem klassischen Welt-ETF gleichgesetzt werden.

Tiefer in die Materie einsteigen?

Wer sich ausführlicher mit Faktorstrategien, BIP-Gewichtung und der Konstruktion eines global diversifizierten Portfolios beschäftigen möchte, findet im Buch von Gerd Kommer eine deutlich umfassendere Einführung.

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Von |2026-08-14T09:39:43+02:0013. August 2026|Finanzielle Bildung|0 Kommentare

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