7 Lektionen aus „Der reichste Mann von Babylon“

7 Lektionen aus „Der reichste Mann von Babylon“

Der reichste Mann von Babylon von George S. Clason wurde 1926 verfasst und gilt als Klassiker der Finanzliteratur. Das kleine Taschenbuch hat einen ĂŒberschaubaren Umfang von etwa 200 Seiten, ist fĂŒr Laien verstĂ€ndlich geschrieben und obendrein fĂŒr kleines Geld zu haben.

Dieses inspirierende Werk enthĂ€lt die wichtigsten Prinzipien fĂŒr finanziellen Erfolg und vermittelt diese in Form von spannenden und unterhaltsamen Parabeln aus dem alten Babylon, der wohlhabendsten Stadt des Altertums. Unter anderem enthĂ€lt das Buch „Sieben Methoden, eine leere Geldbörse zu fĂŒllen“.

In diesem Beitrag prĂ€sentiere ich euch 7 Lektionen aus „Der reichste Mann von Babylon“, die auf diesen Methoden aufbauen, und interpretiere und ergĂ€nze sie aus heutiger Sicht.

1. Spare regelmĂ€ĂŸig

„Von zehn MĂŒnzen, die ich in die Geldbörse stecke, nehme ich nur neun heraus.“

Die Kernbotschaft dieser Lektion ist die folgende: Bezahle zuerst dich selbst und lege mindestens 10 % deines Einkommens beiseite, bevor du deine Rechnungen bezahlst.

Warum ist Sparen wichtig?

Sparen ist der Grundstein fĂŒr jeglichen Vermögensaufbau. Indem du regelmĂ€ĂŸig Geld zur Seite legst, schaffst du dir ein Polster fĂŒr unvorhergesehene Ereignisse und hast gleichzeitig die Möglichkeit, in deine Zukunft zu investieren.

Der Sparbetrag kann natĂŒrlich auch deutlich höher sein als 10 % des Einkommens. Wichtig ist allerdings, dass das Sparen zur Routine wird. Am besten ĂŒberweist du den Anteil per Dauerauftrag auf ein separates Sparkonto oder richtest beispielsweise direkt einen ETF-Sparplan ein.

2. Erstelle ein Budget

„Plant eure Ausgaben, damit ihr Geld fĂŒr die Bezahlung notwendiger Dinge habt, fĂŒr euer VergnĂŒgen und um eure erstrebenswerten WĂŒnsche zu erfĂŒllen, ohne mehr als neun Zehntel eures Verdienstes auszugeben.“

Plane deine Ausgaben, um sicherzustellen, dass du nicht mehr Geld ausgibst, als du verdienst. Du kannst deine Ausgaben mithilfe von Apps oder Tabellenkalkulationen verfolgen, um deine Schwachstellen zu erkennen und zu optimieren.

Wie kann ich ein Budget erstellen?

Es gibt verschiedene Methoden, um ein Budget zu erstellen. Eine einfache Möglichkeit ist z.B. die 50/30/20-Regel, bei der du 50% deines Einkommens fĂŒr Lebenshaltungskosten, 30% fĂŒr Freizeit und 20% fĂŒr Sparen und Investitionen nutzt. Diese Anteile sind natĂŒrlich je nach persönlichen UmstĂ€nden beliebig adaptierbar.

3. Investiere klug

„Lasst die MĂŒnzen arbeiten, damit sie sich, genau wie die Herden, vermehren und euch Einkommen schaffen, einen Strom von Reichtum, der kontinuierlich in eure Geldbörse fließen soll.“

Lass dein Geld fĂŒr dich arbeiten und investiere es in lukrative Anlagemöglichkeiten. Diversifiziere dein Portfolio, um das Risiko zu minimieren. Informiere dich ĂŒber verschiedene Anlageklassen. Je nach Risikotoleranz und Anlagehorizont solltest du die richtige Asset Allocation, also die Mischung aus risikobehafteten Assets wie Aktien und ETFs und risikoarmen Anlagemöglichkeiten wie Anleihen und Spareinlagen fĂŒr deine BedĂŒrfnisse finden. Eine Hilfestellung bei Erstellung der persönlichen Asset Allocation findest du im Beitrag „In 3 Schritten zur Asset Allocation“.

Achte jedoch darauf, nur Geld zu investieren, wenn du zuvor einen ausreichend großen Notgroschen aufgebaut und RĂŒcklagen gebildet hast. Eine UnterstĂŒtzung beim Festlegen deines Budgets fĂŒr den Vermögensaufbau kann der Leitfaden „In 5 Schritten zum Investitionsbudget“ bieten.

4. SchĂŒtze dein Vermögen

„Bewahrt euer Vermögen vor Verlust, indem ihr nur dann investiert, wenn euer Kapital sicher ist und jederzeit in Anspruch genommen werden kann, wenn dies wĂŒnschenswert ist, und ihr eine anstĂ€ndige Rendite erzielt.“

Hier lohnt es sich, zwei Aspekte dieser Aussage aufzugreifen und kritisch zu beleuchten:

  • Vermeidung von Verlusten
  • Das Zusammenspiel von Risiko, Rendite & LiquiditĂ€t

Warum ist es wichtig, Verluste zu vermeiden?

Um einen Kursverlust auszugleichen, benötigt es ĂŒberproportionale Kursgewinne. Verliert dein Portfolio beispielsweise 20 % an Wert, wĂŒrdest du 25 % benötigen, um den Kursverlust wieder auszugleichen. Verliert dein Portfolio 30 % an Wert, benötigst du bereits 42,86 % an Gewinnen fĂŒr einen Ausgleich.

Ein Verlust von 50 % wĂŒrde einen Gewinn von 100 % erfordern, um wieder den Anfangswert zu erreichen.

Bei einem Kursverlust von 90 % wĂŒrdest du sogar einen anschließenden Zugewinn von 900 % benötigen, um den erlittenen Buchverlust wieder wett zu machen.

Die folgende Tabelle soll dies verdeutlichen:

Kursverlust Benötigter Kursgewinn
10 % 11,11 %
20 % 25,00 %
30 % 42,86 %
40 % 66,67 %
50 % 100,00 %
60 % 150,00 %
70 % 233,33 %
80 % 400,00 %
90 % 900,00 %
100 %

Eine einfache Methode, um das Verlustrisiko zu reduzieren ist Diversifikation, die sich fĂŒr Privatanleger am bequemsten mittels ETFs bewerkstelligen lĂ€sst.

„Eierlegende Wollmilchsau“: Sicherheit, hohe Rendite und stĂ€ndige VerfĂŒgbarkeit

Viele Anleger fragen sich, ob es denn nicht möglich ist, eine Geldanlage zu finden, die sicher ist, gute Renditen bringt und bei der das Kapital stĂ€ndig verfĂŒgbar ist. Die kurze Antwort darauf lautet: Nein. Das „Magische Dreieck zur Vermögensanlage“, gerne auch als die „Dreifaltigkeit der Geldanlage“ bezeichnet, verdeutlicht diesen Umstand.

Das magische Dreieck der Geldanlage, die Dreifaltigkeit der Geldanlage, RentabilitÀt, Sicherheit & LiquiditÀt

Das magische Dreieck der Vermögensanlage beschreibt die drei wichtigsten Ziele bei der Geldanlage:

  • RentabilitĂ€t: Ertrag einer Investition (z.B. Dividenden, Zinsen, Wertsteigerungen)
  • Sicherheit: Erhalt des Vermögens (z.B. durch Diversifikation)
  • LiquiditĂ€t: schnelle Umwandlung in Bargeld, schnelle VerfĂŒgbarkeit (z.B. Tagesgeld)

Die drei Ziele stehen in einem SpannungsverhÀltnis zueinander:

  • Hohe RentabilitĂ€t und hohe Sicherheit: Anlagen sind illiquide (z.B. langfristige Anleihen)
  • Hohe RentabilitĂ€t und hohe LiquiditĂ€t: Anlagen sind riskant (z.B. Aktien)
  • Hohe Sicherheit und hohe LiquiditĂ€t: Anlagen sind wenig rentabel (z.B. SparbĂŒcher)

Beispiele fĂŒr Geldanlagen:

  • Sparbuch: hohe Sicherheit, hohe LiquiditĂ€t, niedrige RentabilitĂ€t
  • Langfristige Anleihen: hohe Sicherheit, niedrige LiquiditĂ€t, hohe RentabilitĂ€t
  • Aktien: niedrige Sicherheit, hohe LiquiditĂ€t, hohe RentabilitĂ€t

Das Dreieck der Geldanlage soll veranschaulichen, dass der Fokus immer nur auf zwei der drei Ziele gelegt werden kann, bei gleichzeitiger VernachlĂ€ssigung eines dritten Ziels. Als Anleger muss man sich also entscheiden, welche Ziele man verfolgt. Die „eierlegende Wollmilchsau“ bleibt also Wunschdenken von Anlegern – Es gibt keine Anlage, die alle drei Ziele gleichzeitig optimal erfĂŒllt.

5. Schaffe dir dein eigenes Heim

„Schafft euch ein eigenes Heim an.“

Wohneigentum stellt fĂŒr viele Menschen eine gute Investition dar, um im Alter möglichst unabhĂ€ngig zu sein und kein Geld fĂŒr Miete „aus dem Fenster zu werfen“. So wird der Erwerb eines Eigenheims auch in Der reichste Mann von Babylon als wichtiges Geldprinzip prĂ€sentiert.

Ist Wohneigentum immer die beste Option?

Wie Gerd Kommer in Kaufen oder Mieten (der Link fĂŒhrt zur Buchbesprechung) argumentiert, handelt es sich beim Erwerb oder beim Bau eines Eigenheims vielmehr um eine „Lifestyle-Entscheidung“ als um eine rational begrĂŒndbare. Viele der weitlĂ€ufig bekannten (vermeintlichen) Vorteile des Eigenheims sind nĂ€mlich rational betrachtet nichts weiter als Mythen.

Anleger sollten daher die Vorteile und Nachteile eines Immobilienkaufs zur Eigennutzung besonders gut abwÀgen und insbesondere vor dem Hintergrund der persönlichen Situation und den persönlichen Zielen eine Entscheidung treffen. Ob Kaufen oder Mieten die bessere Option ist, lÀsst sich nicht pauschal beantworten. Das erwÀhnte Buch von Gerd Kommer kann jedoch eine ausgezeichnete Entscheidungshilfe sein.

Es ist ĂŒbrigens sehr löblich, dass in der deutschen Ausgabe von Der Reichste Mann von Babylon vom Verlag explizit angemerkt wird, dass der Kauf eines Eigenheims gut ĂŒberlegt sein sollte und ein Eigenheim durchaus mehr Geld kosten kann, als es einbringt oder an Mietkosten einspart.

Gerd Kommer - Kaufen oder Mieten? Buchcover

„Kaufen ist stets rentabler als mieten.“ Dieser Mythos wird seit jeher von Banken, Vermögensberatern, Bausparkassen und der Immobilienbranche verbreitet. Mit der Zeit hat er sich ĂŒber Generationen zu einem Dogma verfestigt, das kaum noch hinterfragt wird. Gerd Kommer zeigt in der Neuauflage seines Buchs Kaufen oder Mieten? erneut, dass dieses Dogma vor allem durch eines gekennzeichnet ist – mangelnden RealitĂ€tsbezug. Per se lĂ€sst sich keine der beiden Optionen – Kaufen oder Mieten – als rentabler bezeichnen. Dazu bedarf es der KlĂ€rung einiger wesentlichen Fragen, die Gerd Kommer bis ins Detail und in gewohnt wissenschaftlicher Manier erlĂ€utert.

6. Sichere deine Zukunft ab

„Trefft rechtzeitig Vorsorge fĂŒr die BedĂŒrfnisse im Alter und fĂŒr den Schutz eurer Familie.“

Es ist wichtig, an die Altersvorsorge zu denken. Neben dem langfristigen Investieren in Aktien und ETFs können auch die RĂŒcklagenbildung fĂŒr unvorhergesehene Ereignisse oder eine BerufsunfĂ€higkeitsversicherung mögliche Optionen darstellen.

Warum ist Altersvorsorge wichtig?

Die gesetzliche Rente wird fĂŒr die meisten Arbeitnehmerhaushalte ab den GeburtsjahrgĂ€ngen um etwa 1960 mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ausreichen, um den Lebensstandard zu halten, den sie unmittelbar vor Eintritt in den Ruhestand erreicht haben. Daher ist es wichtig, selbst aktiv zu werden und fĂŒr das Alter vorzusorgen. Je frĂŒher man diesen Umstand anerkennt, umso einfacher gelingt der Vermögensaufbau fĂŒr spĂ€ter.

7. Verbessere deine Verdienstmöglichkeiten

„So besteht also die siebte und letzte Methode, eine leere Geldbörse zu fĂŒllen, darin, eure eigenen FĂ€higkeiten zu entwickeln, zu lernen, klĂŒger und geschickter zu werden und Achtung vor euch selbst zu entwickeln, um eure wohlabgewogenen WĂŒnsche zu verwirklichen.“

Viele Privatanleger konzentrieren sich bei der Vermögensbildung zu sehr auf die Kapitalanlage in Assets wie Aktien oder ETFs. Dabei ist die rentabelste aller Assetklassen Humankapital.

In akademisch-ökonomischer Hinsicht ist das Humankapital „Der Barwert (Gegenwartswert) aller Einkommenszahlungen (GehĂ€lter), die eine Einzelperson oder ein Haushalt in der Zukunft erwartungsgemĂ€ĂŸ beziehen wird“.[1] Das Humankapital sollte als eigenstĂ€ndige Asset-Klasse betrachtet werden. FĂŒr BerufstĂ€tige bis etwa Mitte 50 wird das Humankapital nĂ€mlich im Normalfall der grĂ¶ĂŸte Vermögenswert sein. Daher lohnt es sich besonders, in dieses zu investieren.

Bevor man also seine ganze Zeit und Energie in aktive Investmentstrategien steckt, etwa sehr aufwÀndige Aktienrecherchen und Aktienanalysen unternimmt, sollte man in ErwÀgung ziehen, eine passive Ausrichtung der Investmentstrategie zu etablieren. So hat man mit einer einfachen Strategie gute Aussichten auf die Renditen des Markts und kann von der weltweiten Wirtschaftsleistung profitieren. Gleichzeitig hat man auch mehr Zeit, um das besonders rentable Humankapital zu erweitern und ein höheres Einkommen zu generieren.

Daher: Investiere in deine Bildung und Weiterbildung, um deine FÀhigkeiten und Qualifikationen zu verbessern. Suche nach Möglichkeiten, dein Einkommen durch NebentÀtigkeiten oder andere Einkommensquellen zu erhöhen.

Wie kann ich meine Verdienstmöglichkeiten verbessern?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, deine Verdienstmöglichkeiten zu verbessern. Du kannst eine Gehaltserhöhung aushandeln, den Job wechseln, neue Qualifikationen erwerben, eine neue TĂ€tigkeit erlernen, örtlich flexibel sein, ein eigenes Unternehmen grĂŒnden usw.

Doch auch hier ist wie bei der Geldanlage Vorsicht geboten. Das Internet ist voll von vermeintlich lukrativen TĂ€tigkeiten und „Geheimnissen“, die verraten, wie man möglichst einfach sehr viel Geld verdienen kann. Meist werden diese vermeintlich gewinnbringenden Informationen erst verraten, wenn man völlig fruchtlose und teure Coachings erwirbt. Es gilt dasselbe wie bei der Geldanlage:

Klingt etwas zu schön, um wahr zu sein, dann ist es das vermutlich auch.

Kann man passives Einkommen generieren?

Viele Privatanleger haben sich der Jagd auf passive Einnahmequellen verschrieben. NatĂŒrlich ist es möglich, Einkommen zu generieren, ohne aktiv dafĂŒr arbeiten zu mĂŒssen. Allerdings ist es wichtig zu verstehen, dass passives Einkommen in der Regel nicht ohne Vorausleistung entsteht. Der Aufbau einer „passiven“ Einkommensquelle erfordert Zeit und MĂŒhe und meist auch kontinuierliche Anstrengung, um die Einkommensquelle zu pflegen oder zu aktualisieren. Statt von passivem Einkommen zu sprechen, ist es daher treffender, von „einkommensschaffenden Vermögenswerten“ zu sprechen.

Abschließende Gedanken zu den 7 Lektionen aus „Der reichste Mann von Babylon“

Die Lehren aus „Der reichste Mann von Babylon“ sind zeitlos und universell. Sie können von jedem angewendet werden, der sein Leben und seine finanzielle Situation verbessern möchte. Das Buch ist leicht verstĂ€ndlich und voller inspirierender Geschichten, die wichtige Anregungen geben können, um finanzielle Ziele zu erreichen.

George Clason - Der reichste Mann von Babylon: Erfolgsgeheimnisse der Antike - Der erste Schritt in die finanzielle Freiheit Buchcover Turmbau zu Babel

Dislaimer: Bitte beachte, dass die Informationen in diesem Artikel nicht meinen persönlichen Empfehlungen entsprechen, sondern nur meiner subjektiven Interpretation der Inhalte aus dem Buch. Der Beitrag soll bestenfalls einen Anreiz zur weiteren Vertiefung in die Thematik darstellen. Keinesfalls ist er jedoch als Finanzberatung zu verstehen.

Quellenverzeichnis

[1] https://gerd-kommer.de/glossar/ (online abgerufen am 26.2.2024)

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Von |2024-03-08T22:00:24+02:008. MĂ€rz 2024|Learnings aus BĂŒchern|1 Kommentar

Ein Kommentar

  1. Anna 10. Juni 2024 um 10:59 Uhr - Antworten

    Die klare Struktur und die verstÀndliche ErklÀrung der einzelnen Lektionen machen es leicht, die RatschlÀge in den eigenen Alltag zu integrieren. Besonders gefÀllt mir, wie der Autor moderne Perspektiven und Werkzeuge einbezieht, um die traditionellen Finanzprinzipien an die heutigen Gegebenheiten anzupassen.

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